…noch so jung…und auf einmal ist alles kaputt…

ich glaub ich hab den Text nun mittlerweile vier oder fünfmal geschrieben, geändert, ganz neu angefangen, weil mir irgendwie die Worte fehlen. Wenn ihr wissen wollt um was es geht, dann lest einfach weiter…..

Ich meine es war Ende 2011, als mich Sandra anschrieb wegen einem Shooting. Damals noch im PafNet..kennt des noch jemand? Termin ausgemacht, zu ihr hingefahren, verschneit und glatt war es, war doch ein Stückchen zu fahren, bischen geratscht, Kaffee getrunken, Zigaretterl graucht und dann gings auch schon los. Ich damals noch etwas unerfahren in Sachen Homeshootings, nichtsdestotrotz haben wir für damals richtig coole und erotische Fotos gemacht. Wir machten im darauffolgenden Jahr nochmal zwei Shootings, eins bei ihr zuhause wieder und eins Outdoor….supernettes und megaliebes Mädl, jung, aufgeweckt, quirlig, sympathisch…einfach zum gern haben! Wir schrieben hin und wieder miteinander, vieles hat sich in ihrem weiteren Leben ereignet und verändert, wie es halt so ist im Leben.

Bis ich dann gar nichts mehr von ihr las….keine Nachrichten mehr, kein Lebenszeichen mehr…zuerst dachte ich, okay das ist nun mal so….bis dann eine Nachricht von ihr kam, die alles in ein anderes Licht rückte. In ein sehr dunkles Licht, ich war zutiefst schockiert, erschüttert, gedankenlos in dem Moment. Sie erkrankte schwer, ein Gehirntumor machte sich seit geraumer Zeit daran, ihr Leben drastisch zu verändern. Sie beklagte ständige Kopfschmerzen und vermutliche Migräneanfälle, bis sie dann einen Arzt aufsuchte und der sie sofort darauf hinwies, einen Spezialisten und eine Klinik zu suchen. Sandra suchte wochenlang nach einer Klinik, die sie als Kassenpatient aufnahm und fand in Regensburg bei den Barmherzigen Brüdern, den Rat und die nötigen Schritte, die sie brauchte. Diagnose Gehirntumor, zufällig auch noch bösartig, der grad irgendwie meinte er müsse jetzt dann mal zum streuen anfangen und zugleich noch auf das motorische Zentrum drückte. Zwei Möglichkeiten bestanden….Kopfschmerzen weiter aushalten, maximal sechs Monate Lebenserwartung mit der Wahrscheinlichkeit, das der Tumor am nächsten Tag die Motorik des Körpers lahm legt, oder operieren mit allen Risiken um eine „normale“ Lebenserwartung zurück zu bekommen? Sandra überlegte lange, sagte sie mir…sechs Monate HalliGalli und Schluss oder leben….wobei ja die sechs Monate HalliGalli quasi schon am nächsten Tag vorbei sein könnten, weil der halbe Körper Totalausfall hat. sie entschied sich für das Leben, operieren war die einzige Option. Also wurde operiert, Chemobehandlung, das volle Programm, sogar ein Jochbein wurde entfernt damit die Ärzte besser an den Tumor kamen, weil er ziemlich nahe am Augennerv saß und sie nichts verletzen wollten. Ich hab ein Bild von ihr bekommen damals, nach der OP, die Narbe am Kopf….erschütternd. Nicht wegen des Bildes, sondern eher die Frage, die immer wieder aufkam, wieso sie? Hat sie das verdient? Hat das überhaupt jemand verdient? Ich denke sicherlich nicht, aber es ist nun mal so im Leben. Seitdem kämpft sie dagegen an. Gegen den Sinn und Unsinn des Lebens. Gib ich auf, oder gib ich nicht auf? Körper linksseitig gelähmt, konnte anfangs nicht mal im Bett sitzen bleiben, null Kontrolle. Laufen? Gehen? Tanzen? Reiten (ihre Leidenschaft)? Wo bleiben die schönen Dinge im Leben? Fotos machen?

Jaa…sie will Fotos machen! Sie will Fotos machen von sich, im Rollstuhl, im sitzen, im stehen, sexy wie frühers….sie kämpft dafür, das sie das schafft, und das bewundere ich an Ihr! Davor zoll ich meinen allergrößten Respekt! Sie traut sich vor die Kamera, trotz Narben im Gesicht, trotz Narben im Selbstbewußtsein, trotz halbseitiger Körperlähmung….einfach nur schier unglaublich, nach diesen harten Jahren, diesen Mut und diese Kraft zu haben, nicht aufzugeben, auch wenn es immer wieder schwer ist!

Jetzt bin ich freilich auch gefordert, das so umzusetzen das Sandra auch zufrieden ist. Sie verläßt sich da voll auf mich….Ich hab echt ein bisschen Bammel vor dem Shooting, so doof es sich anhört, aber es ist so! Es ist wohl in den ganzen Jahren in denen ich fotografiere, meine größte Herausforderung.

Sie ist momentan auf Reha in der Nähe meines Wohnortes und ich werd sie demnächst besuchen auf einen schönen Nachmittag bei einer oder zwei Tassen Kaffee, wir werden viel reden, das Shooting besprechen, spazieren gehen, wie auch immer! Ich freu mich drauf, sie endlich wieder zu sehen und sie hat noch soviel zu erzählen, sagte sie mir am Telefon.

Aber was das ist, verrat ich euch vielleicht nach dem Shooting……

Ihr seht hier eine kleine Auswahl von Fotos, die wir damals gemacht haben, neu bearbeitet! Und denkt dran, ihr lieben…lebt euer Leben, genießt es, stresst euch nicht wegen Kleinigkeiten, es kann schneller vorbei sein als man denkt. Euch könnte ein Unfall passieren und die Lichter gehen sofort aus, aber schlimmer ist wenn man wegen einer Krankheit sein Leben lang darunter leiden muss. Und es ist verdammt schwer, sein bisheriges Leben neu zu arrangieren, und das nicht nach deinen eigenen Wünschen und Vorstellungen, sondern nach denen der Krankheit……

2 Kommentare

  1. Monika Dietze

    Sascha ich muss sagen du hast das wunderschön geschrieben.ich wünsche ihr von ganzem Herzen ganz viel Kraft,und ich bin überzeugt das sie es schafft.Ich wünsche ihr weiterhin viel Kraft und gute Besserung.

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  2. Marco B.

    Es tut einem selbst, der sich niemals in so eine Sitaution hineinversetzen kann und auch keinen Bezug zu Ihr hat, unheimlich weh und macht nachdenklich.
    Meine ganz große Hochachtung für jene die sowas durchmachen und wieder aufstehen.

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